

Was ist für Sie an „Serpent Queen“ und vor allem an diesem Band besonders?
Ich versuche in jeder meiner Geschichten starke weibliche Figuren zu präsentieren, die nicht dem klassischen „Klischee“ unterliegen, dass sie ohne einen Prinzen, König oder anderen Retter allein nicht überleben können. Auch in der „Serpent Queen-Dilogie“ begleiten wir so eine Figur – Cahira Cade, Tochter des Leibwächters des Königs. In vielen Büchern, die ich als Teenagerin gelesen habe, war es so, dass die Prinzessin den bösen Prinzen heiraten musste, um das Königreich zu retten – und ich habe mich damals schon immer geärgert, dass sie nie auf die Idee gekommen sind, zu rebellieren und sich stattdessen immer dem Prinzen untergeordnet haben.
Gibt es einen Charakter, der Ihnen besonders ans Herz gewachsen ist und warum?
Ich bin großer Fan von tierischen Sidekicks, hatte bisher aber nie die Chance so einen Begleiter in eine meiner Geschichten einzubauen. In der Serpent Queen gibt es aber gleich mehrerer dieser Wesen. Meine absolute Lieblingsfigur ist Natrix, die Schlange, die auf magische Weise auf Cahiras Körper, in Form eines Tattoos, erscheint und ihr ordentlich den Kopf verdreht. Noch nie hatte ich so viel Spaß dabei eine Figur zu erschaffen, wie bei dieser. Natrix ist unglaublich wortgewandt, witzig, aber auch sehr manipulativ, was dazu führt, dass man nie so ganz weiß, woran man bei dieser magischen Schlange eigentlich ist…
Wird es einen weiteren Band geben? Wann dürfen wir diesen erwarten?
Der zweite Band der Dilogie ist bereits Anfang des Jahres, im Januar, erschienen und trägt den Untertitel „in love she falls“. Wer Band 1 gelesen hat, weiß vielleicht, dass dieser doch mit einem kleinen Cliffhanger endet und Cahira und Atlas müssen in Band 2 einmal mehr beweisen, dass sie allen Widrigkeiten zum Trotz zusammenhalten müssen, um die Buchwelt vor einem großen und mächtigen Feind zu beschützen. Es wird einen neuen Schauplatz in der Geschichte geben, ein paar sehr toughe und spannende Charaktere und epische Kämpfe.
Wie sind Sie zum Schreiben gekommen? / Und warum diese fantasievolle und reichhaltige Form?
Tatsächlich ist das eine sehr witzige Geschichte, denn anders als viele meiner Kolleginnen und Kollegen aus der Schreibszene, wollte ich als Kind nicht Autorin, sondern Richterin werden. Also studierte ich Rechtswissenschaften an der Universität in Bielefeld. In der großen Unihalle vor Ort, gab es zu dieser Zeit noch eine kleine Buchhandlung (mein zweites Zuhause!), wo man neben den klassischen Unibüchern, natürlich auch Romane von Stephen King oder Cornelia Funke kaufen konnte. An der Außenseite dieser Buchhandlung hingen immer viele Werbeplakate – für Lesungen, aber auch für Ausschreibungen von kleineren Verlagen für Anthologien (das sind Buchsammlungen, die meist aus mehreren Kurzgeschichten bestehen). Von der oberen Galerie der Unihalle aus, entdeckte ich so ein Plakat von der Druckerei WirmachenDRUCK – das Thema lautete (Anti-)Heldengeschichten. Und weil ich es damals satt hatte die tausend Theorien der actio libera in causa weiter auswendig zu lernen, entschied ich mich ganz spontan dazu, stattdessen eine etwas andere Heldengeschichte zu schreiben und sie einzureichen. Tatsächlich wurde die Kurzgeschichte dort abgedruckt und auf der Leipziger Buchmesse 2017 an die Besucher der Messe verteilt – ich war unglaublich stolz. Von da an konnte ich einfach nicht mehr aufhören Geschichten zu schreiben und freue mich, dass ich drangeblieben bin, auch wenn der Weg nicht immer ganz einfach war.
Die Liebe zu Fantasygeschichten rührt vermutlich daher, dass ich auch mit Abstand am liebsten Fantasysbücher lese. Ich mag es, dass in diesen Geschichten alles möglich ist, dass man seine eigenen (physikalischen) Gesetze erschaffen kann, dass es epische Kämpfe, magische Wesen und verdammt coole Bösewichte gibt und wünschte mir manchmal, dass unser Alltag auch ein klein wenig mehr Magie beinhalten würde – das würde so vieles doch direkt einfacher (und interessanter) machen!
Was hat Sie animiert?
Schreiben war ab der ersten Veröffentlichung wie eine Art Sucht für mich. Wer einmal damit anfängt, der hört in der Regel nie wieder auf. Es ist eine wunderschöne und kreative Art der Selbstverwirklichung, etwas, dass mich überaus glücklich und auch stolz macht. In Zeiten von Social-Media ist man auch deutlich näher dran an seinen Leserinnen und Lesern und wenn ich überlege, wie viele liebe und lobende Nachrichten ich bisher erhalten habe, dann spornt mich auch das an, weitere Geschichten zu schreiben, die anderen eine schöne Zeit bescheren. Der Kontakt zu den Leserinnen und Lesern ist etwas, dass ich sehr genieße und deshalb freue ich mich auch schon riesig auf die Lesereise, denn da wird man sicherlich ganz wunderbar ins Gespräch kommen!
Was bedeutet Ihnen der Leserpreis der Sächsischen Jugendlichen?
Viele Preise, die es in der Jugendbuchszene so gibt, werden von einer Fachjury vergeben – also Erwachsenen, die in der Regel nicht die eigentliche Zielgruppe der Bücher sind. Es werden bestimmte Kriterien entwickelt, anhand derer dann letztlich entschieden wird, wer den Preis gewinnt. Beim Leserpreis des Buchsommer Sachsen ging es jedoch um die Meinung der jugendlichen Leserinnen und Leser, also denjenigen, für die ich dieses Buch ursprünglich geschrieben habe. Daher ist ein Preis, der von Jugendlichen mitentschieden wird, großartig und eine echte Ehre! Und da das meine erste Auszeichnung als Autorin für eines meiner Bücher ist, wird dieser Preis für mich immer in ganz besonders schöner Erinnerung bleiben.
Kannten Sie den Buchsommer Sachsen bereits vor der Nominierung?
Mir war der Buchsommer Sachen zuvor nicht bekannt, was aber vermutlich auch daran liegen könnte, dass ich als Wahl-Dortmunderin bisher leider auch noch nie in Sachsen unterwegs war. Aber Sommerleseaktionen für Kinder und Jugendliche im Allgemeinen sind mir natürlich bekannt. Hier in Nordrhein-Westfalen läuft ein ähnliches Konstrukt unter dem Namen „Sommerleseclub“ – allerdings ohne ein so spannendes Buchvoting samt Preisverleihung.
Was denken Sie, welche Rolle spielen Projekte wie der Buchsommer für die Lesesozialisation und das -verhalten junger Menschen?
Ich denke niemand von uns kann bestreiten, dass sich durch das Internet im Allgemeinen, und Social-Media im Speziellen, die Rolle des Buches in der Gesellschaft verändert hat. Das spüren wir als Erwachsene genauso wie bei den Jugendlichen. Die Ablenkungen oder wenn man es spitzer formulieren möchte, die „Verlockungen“ des Internets sorgen dafür, dass der Griff zum Buch immer seltener wird (übrigens auch bei Erwachsenen!). Aktionen wie der sächsische Buchsommer setzen wichtige Signale und Impulse bei Jugendlichen und können ein wichtiger Anker sein, um zu zeigen, dass es noch andere schöne Freizeitgestaltungen gibt, als Fortnite oder Tiktok. Lesen kann so viel mehr sein, als ein Hobby: Es entspannt, steigert nachweislich die Lebenserwartung, sorgt dafür, dass man sich besser und sicherer ausdrücken kann und egal ob man einen Manga, einen Liebesroman oder ein Sachbuch liest – Lesen bildet. Immer. Ich blicke sehr hoffnungsvoll auf die Generation „Booktok“, die gerade eindrucksvoll beweist, dass man Social-Media und Lesen nicht als zwei gegensätzliche Pole betrachten sollte, sondern vielmehr als eine Art Symbiose, die einem die Möglichkeit gibt, andere Menschen mit seiner Buchbegeisterung anzustecken, vielleicht „Bookbuddys“ zu finden, mit denen man gemeinsam in die Büchereien und Buchhandlungen geht, und sich gegenseitig Bücher empfiehlt. Aktionen wie der Buchsommer sind die „analoge“ Form hiervon – Jugendliche und Kinder kommen vor Ort zusammen, tauschen sich über das Gelesene aus, reden darüber was ihnen gut oder weniger gut gefallen hat und entwickeln vielleicht den Wunsch selbst etwas zu Schreiben. Es schafft Kreativität, einen Raum zur Selbstentfaltung und ich kann aus Erfahrung sagen, solche Aktionen bleiben im Gedächtnis und prägen nachhaltig das Leseverhalten.
Kennen Sie Sachsen bereits?
Tatsächlich war ich bisher noch nie in Sachsen – freue mich aber schon darauf, das Bundesland kennenzulernen und bin gespannt, in welche Städte mich die Lesereise ziehen wird. Ich habe mir schon fest vorgenommen außerhalb der Lesungen die Orte unsicher zu machen und ein wenig Sight-Seeing zu machen. Vielleicht kommt mir ja vor Ort auch eine Idee für ein neues Buch!