Am 15.11.26 findet in der Zentralbibliothek der Stadtbibliothek Chemnitz im Stefan-Heym-Forum der Chemnitzer Buchsalon als Matinée-Veranstaltung statt.
Drei Kritiker:innen besprechen drei aktuelle Herbsttitel aus Sachsen.
Eileen Mägel, Dresdner Autorin und Lyrikerin, spricht über „Die zweitgrößte Liebe“ von Ruth Maria Thomas
Angela Malz, langjähriges Mitglied des Chemnitzer Literarischen Quintetts, bespricht „Stolz und Zweifel“ von Marlen Hobrack.
Burkhard Müller, langjähriger Rezensent des Buchsalons und Literaturkritiker, spricht über "Nach der Sonne schauen" von Martina Hefter.
Im Anschluss liest Heike Geißler aus ihrem neuen Roman „Michaela Kohlhaas“, moderiert von Eileen Mägel.
»Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder.« So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem Unrecht blutige Vergeltung übt. Sein Rachefeldzug ist noch zweihundert Jahre später Vorbild und Handlungsanweisung für Michaela Kohlhaas, eine stellvertretende Friedhofsverwalterin. Befeuert von erfahrener Willkür und Ohnmacht, wird sie zur Aufsässigen. Doch wo Michael Kohlhaas mordet und brandschatzt, agiert sie vorrangig mit Worten: mit Zuspitzung, Übertreibung, Sabotage und Show. Einer vermeintlichen Hexe gleich, zieht sie fluchend und Verwünschungen aussprechend durchs Land. Und muss feststellen: Es ist von Nachteil, eine Frau zu sein. Es ist von Nachteil, sich zu wehren. Doch selbst wenn alle Welt sie für wahnsinnig erklärt – sie geht »mit wehenden Fahnen« ihrem Ende entgegen, auf ein gutes Ende hoffend, und doch ahnend: Ein solches Ende wird es vielleicht nicht geben.
Heike Geißlers Michaela Kohlhaas ist eine tollkühne Überschreibung der berühmten Novelle von Heinrich von Kleist. Ihre Michaela ist eine Schimpfende, eine Stinkende, eine Zärtliche. Eine große Liebende, die nicht bloß Verbesserung will – sie verlangt Wiedergutmachung und Sühne. Und eine gänzlich andere Einrichtung der Welt.
Heike Geißler, 1977 in Riesa geboren, ist Autorin. Sie arbeitet auch spartenübergreifend in unterschiedlichen Formationen (Sabotique und George Bele). Heike Geißler war zuletzt Dorothea Schlegel Artist-in-Residence an der FU Berlin und erhielt den Klopstock-Preis für neue Literatur, den Heinrich-Böll-Preis und den Bayerischen Buchpreis. Sie lebt in Leipzig.